hallo Ahrendt - HAMBURG - Geschichte
   
  Ahrendt
  HAMBURG - Geschichte
 

Die Geschichte Hamburgs ist eine Geschichte von Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten in die Hände spucken und anpacken. Eine Geschichte von Menschen, die immer wieder Rückschläge erleben, immer wieder vor nahezu unlösbaren Problemen stehen und doch immer wieder aufstehen und jedes Mal das Ruder noch herum reißen oder gestärkt aus einer Niederlage hervorgehen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist eine Geschichte von Menschen, die, stets auf der Suche nach ihrem Vorteil, sich immer wieder arrangieren und in Auseinandersetzungen sich den jeweils stärkeren Gegnern anschließen um daraus Gewinne zu ziehen. Es ist eben eine Geschichte von Arbeitern und Pfeffersäcken.

400 vC: Eine Idylle
Wir schrieben gerade das 4. Jahrhundert vor Christus und unsere kleine bunt zusammengewürfelte Reisegesellschaft der Völkerwanderung aus dem Osten war auf der Suche nach einem Ort, an dem man sich gut niederlassen könnte. Hier, in Norddeutschland, knapp 100 Kilometer von der Elbmündung entfernt, standen wir nun auf einem Fleckchen, das uns gut gefiel. Die Menschen, die hier lebten nahmen uns freundlich auf und so begannen wir, uns nette kleine Häuser zu bauen, in denen wir uns wohlfühlten und gut leben konnten. Einige hundert Jahre lebten und arbeiteten wir so und waren mit uns und der Welt im Reinen.

 

808: Die Hammaburg
Doch nach dem 4. Jahrhundert nach Christus strömten immer mehr Sachsen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen nach Westen und landeten bei uns. Sie bereicherten unseren Alltag und es gab wenig Probleme. Doch wie es nun einmal ist, fühlten sich einige von uns von diesen Fremden bedroht. Sie fürchteten um ihre Lebensgrundlage. Also schickten sie eine Delegation zu Ludwig dem Frommen. Dessen Vater, Karl der Große, hatte nämlich bereits seit einiger Zeit geplant, eine Festung an der Alster
als militärische Basis im Kampf gegen die Heiden im Norden zu bauen um die Christianisierung voranzutreiben,. Doch bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, starb er und so fiel seinem Sohn Ludwig dem Frommen die Aufgabe zu, die Arbeit des Vaters zu vollenden.

Von Ludwig dem Frommen erhielten wir nun also im Jahre 808 den Auftrag, einen Stützpunkt zu errichten. Zwischen Alster und Bille, dort wo heute die Petrikirche steht, errichteten wir unsere Festung. Das war eine ganz schöne Schufterei. Die Pläne hatten es in sich. Wir errichteten aus Planken einen viereckigen Wall mit rund 150 Metern Seitenlänge, den wir mit Erde aufschütteten. Dafür mussten wir fast 10.000 Bäume fällen und bearbeiten und 20.000 m3 Erde aufschütten. Einige Benediktiner in unserer Gruppe bauten sogar auch noch eine hölzerne Taufkirche, die Marienkirche. Im Inneren der Festung, die den Namen Hammaburg hatte, waren die Unterkünfte der etwa 50 Mann starken Besatzung und der Königshof des Grafen, der gleichzeitig militärischer Kommandant und Gerichtsherr war. Bald siedelten sich Handwerker, Fischer, Krämer und Gastwirte vor dem Tor im Westen an und errichteten rasch einen Marktplatz. Bischof Ansgar, der von Ludwig dem Frommen im Jahre 831 hierher geschickt wurde, führte von hier aus seine Bekehrungsabsichten der germanischen Stämme in Schleswig-Holstein, Dänemark, Skandinavien aus.


Mit der Zeit wuchs unsere Gemeinschaft und wir errichteten weitere Häuser. Mittendrin, natürlich am größten, das Haus unseres Burgvogtes. Drum herum bauten sich dann die Handwerker und Kaufleute ihre Häuser, die zum Teil an den Hafen grenzten, der damals noch an einem Arm der Alster lag. Es war eine schöne Anlage und wir fühlten uns wohl. Wir tranken und aßen, arbeiteten und feierten, was das Zeug hielt. Vielleicht haben wir etwas zuviel gefeiert. So war es uns schietegal, was da am Königshof vor sich ging. Ein großer Fehler! Denn 840 starb Ludwig der Fromme und seine Söhne fingen einen Erbstreit an. Am 10. August 843 kamen sie in Verdun zusammen und einigten sich, indem sie einfach das Reich aufteilten. Das machte uns schwächer. Und angreifbar.

845: Die Wikinger
Als ich eines Morgens aufwachte, erschrak ich. Überall brannte es, und athletische blonde Burschen mit Helmen und Schildern marodierten durch unsere schöne Anlage. Wikinger! Sie kamen mit ihren Booten die Elbe hinab und überfielen uns, brandschatzen, plünderten und schändeten unsere Frauen. Wir, vom vielen Feiern mit unseren dicken Bäuchen und dunen Köppen, hatten diesen Mannen nichts entgegenzusetzen. Mein Gott, was haben wir die Fresse voll gekriegt. Nun ja, irgendwann waren unsere Vorräte aufgebraucht, unsere Schätze weggeschafft und unsere Jungfrauen auch nicht mehr so jungfräulich. Die Wikinger verloren das Interesse an uns und zogen wieder ab. Der Erzbischof, der bis dahin gut gelebt hatte, verlor aus dem gleichen Grund (keine Schätze, keine Vorräte, keine Jungfrauen) sein Interesse an uns und verzog sich nach Bremen. Wir brauchten fast 300 Jahre, um uns von dieser Geschichte zu erholen.

1189: Die Verleihung des Hafenrechts
Graf Adolf III. von Schauenburg und Holstein war es, der uns wieder neuen Lebensmut einflösste. Nachdem er sich von Heinrich dem Löwen abwandte, verlor er seine Macht in Schleswig Holstein. Doch im Bündnis mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa stellte er seine Herrschaft wieder her. Dafür unterstützte Adolf 1189 Kaiser Friedrich beim 3. Kreuzzug zur Rückeroberung Jerusalems gegen Saladin, den dieser gemeinsam mit Philip II. von Frankreich und Richard Löwenherz von England unternahm. Zwar brachte der Kreuzzug nicht den gewünschten Erfolg, Jerusalem wurde nicht erobert, doch erreichte Adolf III. wenigstens, dass Hamburg aus Dankbarkeit für die Unterstützung das Hafenrecht verliehen wurde. Wow, es ging wieder bergauf. Wir spuckten in die Hände und bauten unsere Stadt wieder auf.


1227: Die Hanse
Wir deichten die Elbmarschen ein und stauten die Alster, um eine Kornmühle zu betreiben. Wir waren mittlerweile 1500 Hamburger und wählten uns 1190 einen Rat. Doch zu früh gefreut. 1201 nahm der dänische Herzog Waldemar II. Graf Adolf III. gefangen, besetzte unsere schöne Stadt, und wir wurden einem dänischen Statthalter unterstellt. Doch diese Unterdrückung führte nur dazu, dass wir Hamburger noch enger zusammenhielten. 1227 standen wir Hamburger Bürger auf, gemeinsam mit den Heeren anderer deutscher Fürsten jagten wir die Dänen hinaus. Nun von dieser Vorherrschaft befreit, gründeten wir zahlreiche Kaufmannsgilden und Handelshäuser. Hamburg wurde eine der mächtigsten und reichsten Städte der Hanse.

Daran hinderte uns auch der verheerende Brand von 1284 nicht. Hamburg wurde zum wichtigsten Umschlagplatz im Verkehr zu den Ländern im Westen und für das Binnenland an der Elbe. Wir erwarben weitere Ortschaften dazu (Moorburg, Horn, Hamm usw.) und wurden immer wohlhabender. In der gerade gegründeten Hanse waren wir ein wichtiger Partner und wurden zum wichtigsten Umschlagplatz zwischen Nord- und Ostsee. Wir waren reich!

 

1350: Die Pest
Doch Reichtum reicht nicht immer. Im Sommer 1350 fielen mir in der Stadt immer mehr Menschen mit Flecken oder Geschwülsten auf. Manche spuckten Blut und viele starben. Die Pest hatte Hamburg erreicht. Wir hatten schon von der Seuche, die 1333 in China ausbrach und von dort einen Weg des Todes und der Verwesung bis ganz durch Europa hinter sich herzog, gehört. Nun klopfte die Pest, die in Europa mehr als 25 Millionen Opfer forderte, auch an unsere Türen und führte zu Angst und Panik unter den Menschen. Mehr als 6000 Menschen starben einen qualvollen Tod.

 

1368: Reichtum
Als 1361 der dänische König Valdemar IV. die Durchfahrt zwischen Nord- und Ostsee für Schiffe der Hanse sperrte, schlug unsere Stunde. An der ersten Aktion gegen den Dänenköig beteiligten wir uns jedoch nur halbherzig. Dieser erste Schlag gegen die Dänen ging also in die Hose, worüber einige unserer Pfeffersäcke heimlich frohlockten, denn die Sperrung der Nord-Ostseedurchfahrt führte dazu, dass Hamburg als Handelsumschlagplatz immer wichtiger wurde. 1368 schlossen sich die Hansestädte erneut gegen Dänemark zusammen. Unter Lübecks Führung wurde Kopenhagen vollständig zerstört und der Dänenkönig zu weitreichenden Zugeständnissen gezwungen. Hamburgs Beteiligung an dieser Schlacht bestand gerade mal darin, nachträglich etwas Geld in die Kriegskasse zu zahlen. Doch durch dieses Taktieren wurden wir in der Hanse ein wichtiger Partner und zum wichtigsten Umschlagplatz zwischen Nord- und Ostsee. Wir waren reich!


1396: Klaus Störtebeker

Reichtum macht überheblich. Und eine unserer Überheblichkeiten sollte sich bitter rächen. Ein Hamburger Edelmann verprasste mit Zechereien und allerlei anderen Verlustigungen sein gesamtes Hab und Gut. Unsere Kaufleute hatten nichts Besseres zu tun, als ihn mit Schimpf und Schande aus der Stadt zu jagen. Und genau das sollte sich rächen. Denn dieser Edelmann traf, verbittert wie er war, auf einen Piratenkapitän, der bereits seit einiger Zeit die Ost- und Nordsee mit seinen Kaperfahrten unsicher machte. Gödeke Michel. Als dieser auf den mittlerweile heruntergekommenen Edelmann stieß, fand er in ihm einen Geistesverwandten. Sie tranken, wie es nun mal bei uns üblich ist, gemeinsam Bier und Korn. Und als Gödeke Michel sah, wie der Fremde seinen Humpen in einem Zug lehrte, gab er ihm seinen Namen: Störtebeker (stürz den Becher) und eine Legende war geboren. Gemeinsam befuhren die beiden nun die Meere und kaperten mit ihren Vitalienbrüdern die Schiffe der stolzen Hanse. Störtebeker und Gödeke Michel plünderten, was das Zeug hielt, und ihre Beute teilten sie unter ihren Leuten gleichmäßig auf, was ihnen den Namen Likedeeler (Gleichteiler) einbrachte. Doch es brachte nicht nur den neuen Namen ein, sondern auch den Hass der Kaufleute.

1400: Die Bunte Kuh
Und so gründeten diese eine eigene Kriegsflotte, die keine andere Aufgabe hatte, als den Piraten das Handwerk zu legen. Simon von Utrecht wurde zum Kommandanten dieser Flotte ernannt. Im Jahre 1400 gelang es ihm dann auch, Klaus Störtebeker und seine Gesellen bei Helgoland aufzubringen, gefangen zu nehmen und auf dem Schiff „Bunte Kuh“ nach Hamburg zu bringen. Auf dem Grasbrook fanden Störtebeker und seine Piraten ihr Ende durch Enthauptung. Es nützte ihnen auch nichts, dass Störtebeker den Hamburgern seinen Schatz überlassen wollte. Die Pfeffersäcke blieben hart. Nur eines gewährten sie ihm: Die Männer seiner Mannschaft, an denen er enthauptet noch vorbeilaufen konnte, sollten begnadigt werden. Störtebeker ging auf den Handel ein und lief ohne Kopf an seinen Männern vorbei. Beim elften Mann angekommen, brachen die Kaufleute ihr Wort und der Henker warf Störtebeker einen Knüppel vor die Beine, so dass er stolperte. Ja, auch das sind Hanseaten. Nachdem Störtebeker ermordet war begannen sie nun, sein Schiff zu zerlegen. Und sie fanden in den Masten Gold und Silber. Soviel, wie sie kaum erwartet hätten. Und aus Dankbarkeit über die Befreiung von den Piraten und aus schlechtem Gewissen über ihren Wortbruch, fertigten sie daraus eine Krone an, die noch heute auf dem Turm der Katharinenkirche zu bewundern ist. 1401 wurden dann auch Gödeke Michel und seine 70 Piraten gefangen genommen. Nun hatte Hamburg auch wieder Zeit, sich um die weitere Ausdehnung des Einflussgebietes zu kümmern. Bergedorf, die Vierlande und Geesthacht wurden Hamburg einverleibt.

1401: Der Aufstand
Reichtum macht auch arrogant. So erblickte ich auf einem meiner Spaziergänge zwei sich übel beschimpfende Männer. Hein Brandt, ein angesehener Bürger unserer Stadt forderte vom Herzog von Lauenburg, einem überheblichen Wichtigtuer, Geld zurück, dass er diesem vor über 5 Jahren geliehen hatte. Doch der Herzog grinste nur frech, verzog sich feige und beschwerte sich hinterher beim Rat der Stadt über Hein Brandt. Der Rat der Stadt, der sich ausschließlich aus Mitgliedern der reichen Familien Hamburgs zusammensetzte, machte sich lieber beim Herzog lieb kind und warf Hein Brand ins Gefängnis. Diese selbstherrliche Aktion des Rates brachte das Fass zum überlaufen. Schon lange waren viele Hamburger nicht gut auf ihren Rat zu sprechen. Zu hohe Abgaben und Willkür waren ihnen ein Dorn im Auge. Wir standen auf, gingen auf die Straße und forderten unsere Mitbürger auf, sich gegen de Rat zu stellen. Überall kam es zu Wut- und Zornausbrüchen gegen den Rat. Feige, wie der rat war, und unter dem Eindruck von den Ereignissen in Lübeck, in denen der Rat der Stadt einfach vertrieben wurde, gab der Hamburger Rat klein bei und erließ 1410 folgende Vorschriften:

Niemand darf ohne Verhandlung verhaftet werden

Für eine Kriegserklärung ist die Zustimmung der Bevölkerung nötig
Untreue Bedienstete der Stadt sind zu entlassen.
Damit entging der Hamburger Rat dem Hinauswurf und die Hamburger Büger hatte sich wichtige Rechte erkämpft. Hein Brandt zu Ehren heißt heute noch eine Straße in Hamburg: Die Brandstwiete.

1459: Nochmal die Dänen
Doch dann starb Adolf VIII, der bisher seine schützende Hand über Hamburg gehalten hatte. Und 1459 kommt Hamburg abermals unter dänische Herrschaft. Es gelang jedoch dem hamburgischen Bürgermeister Detlev Bremer, den Huldigungseid zu vermeiden und die bisher erworbenen Privilegien zu sichern. So konnte Hamburg innen und außen doch noch beinahe unabhängig handeln.


15. Jhdt: Die Reformation

Eines Tages kamen Prediger zu uns. Sie berichteten von einem Martin Luther aus Wittenberg. Und von seinen Thesen. Diesmal verzichteten wir auf Gewalt und diskutierten das Für und Wider dieser Reformationsbestrebungen. Die evangelischen Geistlichen konnten sich durchsetzen. Und so kam Johann Bugenhagen, ein Freund von Martin Luther, zu uns und brachte uns die erste evangelische Kirchenordnung. Doch nicht überall verlief die Reformation so friedlich wie bei uns. Viele lutherische und calvinistische Holländer mussten aus ihrer Heimat fliehen, und sie ließen sich bei uns nieder. Auch Juden aus anderen Teilen Deutschlands, aus Spanien oder gar Portugal fanden den Weg zu uns.

1558: Eine der ersten deutschen Börsen

Engländer waren mit ihren Handelsvertretungen sowieso schon hier. Viele andere kamen aus wirtschaftlichen Gründen. Plötzlich lebte eine bunte Mischung aller Nationen, Kulturen und Religionen in Hamburg, was uns kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt brachte. Mittlerweile waren wir mehr als 40.000 Einwohner, 10.000 davon Ausländer. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, in der Wirtschaftsflüchtlinge einen großen Teil der Zuwanderer stellen, gehörten die Ausländer damals häufig zur finanziellen und geistigen Elite. Mit ihrem neuen Wissen blühte das Handwerk auf und die eingewanderten Geschäftsleute hatten einen hervorragenden Kontakt zur Heimat, was den Handel ungemein ankurbelte. Mit unseren mehr als 600 Brauereien galten wir sogar als das Brauhaus der Hanse. Diesmal aber tranken wir unser Bier nicht selber, sondern handelten lieber damit. Damit der Handel immer besser florierte eröffneten wir 1558 eine der ersten deutschen Börsen.

1618: Die Große Freiheit

Diese neue Sachlage hatte den Rat veranlasst, die Bestimmungen zum Erwerb des Bürgerrechts zu ändern. Nun durfte jeder, der Steuern zahlen konnte und evangelisch war, Hamburger Bürger werden, egal aus welchem Land er kam. In Altona allerdings nahm man es nicht ganz so genau mit der Religion. Der Graf von Pinneberg gewährte jedem Zuwanderer Glaubensfreiheit und auch Zunftfreiheit für die Handwerker. Darum wurden die neu gebauten Straßen bei der Reeperbahn Große Freiheit und Kleine Freiheit genannt. Den Hamburger Herren gefiel das nicht so gut, und daher stammt auch der Name Altona, hochdeutsch: All zu nah.

 wird fortgesetzt



 
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